Broccoli-Auflauf

Gestern ist eingetreten, was ich mir immer schon gewünscht habe: Ich war in Frankfurt und kam nicht mehr weg. Im Ernst: Frankfurt ist eine der schönsten Städte des Universums. Geschmackvolle Straßenzüge, wohlgewählte Proportionen, ein klarer Aufbau. Die Bewohner zeichnen sich durch einen sympathischen Dialekt und schnelle Auffassungsgabe aus.

Schon die ersten Schritte in dieser Metropole der Ästhetik waren ein Vergnügen. Wir verließen das Parkhaus genau auf dem Römerplatz und sahen, und sahen, und sahen etwas, das im Augenblick wie eine Seuche in unserem schönen Heimatland umgeht. Einen Weihnachtsmarkt. Wenn das schon alles gewesen wäre, ich würde ja kein Wort darüber verlieren. Doch dieser Weihnachtsmarkt sollte erst in einer Viertelstunde öffnen. Alle Jalousien standen auf Halbmast, der himmlische Geruch nach Bratwurst und Popcorn machte sich breit. Und diese angenehmen Menschen auf der Straße (ja, ich weiß, wir waren auch da, doch hätten wir das esattamente gewusst, hätten wir natürlich die Atmosphäre nicht durch unsere Anwesenheit in bad vibrations versetzt), sie schoben sich Schulter an Schulter über das raue und doch so ursprüngliche Kopfpflaster.

Meine Augen tränen bei der Erinnerung an so viel schieres Vergnügen. Und als dann noch der Weihnachtsmarken seine Weihnachtstürchen öffnete, nein wie süß.  Genug der Reminiszenzen.

Zu früh, viel zu früh trieben uns die Verpflichtungen wieder in Richtung Parkhaus. Denn das Schöne ist nur des Abschieds Anfang. Schon kaum nach 15 Minuten hatten sich die Autoschlangen so weit aufgeflöst, dass wir das Parkhaus verlassen konnten. Heim, heim, der Ruf hallte aus allen Richtungen. In die führten aber auch die Straßenschilder. Vertrauensselig folgten wir diesem blau-weißen, Ihr wisst schon, mit diesem stilisierten A.

Und kaum, dass wir die letzte Biege genommen hatten, stehen wir mitten im Stau. Die volle Stunde lag gerade fünf Minuten zurück, so dass der Lauf meiner Lieblings-Stefan-Mross-CD unterbrochen wurde. Die zarte Stimme meiner Ex-Geliebten aus dem Radio verkündete Vollsperrung, beide Richtungen. Ein Laster sei von der Straße abgekommen, die Ladung läge nun verteilt auf den Fahrspuren. Ihr erratet es schon: Es war Broccoli. Ein schöner Tag …

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~ von Ulli Kiebitz - November 27, 2006.

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